Christuskirche - Geschichte

Geschichte Haunstetten

Was braucht es, um eine Kirche zu bauen?

Begeisterte und beharrliche Menschen, die diesen Wunsch vorantreiben, müssen in jedem Fall am Anfang stehen.

Die gibt es in Haunstetten und Siebenbrunn zum Ende des 19. Jahrhunderts. Seit 1897 sammeln evangelische Christen Geld für einen eigenen Gottesdienstraum. Sie gründen 1899 den Verein „Bethaus für Haunstetten-Meringerau“. Der "Zweck des Vereins ist die Erbauung und Erhaltung eines Bethauses für die Protestanten in Haunstetten und in Meringerau“.

Sie werben auch überregional für ihre Kirche. In den Bayerischen Diaspora-Blättern des Gustav-Adolf-Vereins vom August 1905 zeigt sich, in welcher Situation die Anfänge der Christuskirche liegen:

„In dem ungefähr 2300 Einwohner zählenden Fabrikort Haunstetten sind rund 400 Protestanten, zumeist Fabrikarbeiter, wohnhaft, während die etwa eine halbe Stunde davon entfernte Kolonie Meringerau gegen 150 Protestanten, welche meist Ackerbau treiben, zählt. (…) Obwohl seit einigen Jahren eine Lokalbahn den Ort Haunstetten mit Augsburg verbindet und durch diese Bahnverbindung der Gottesdienstbesuch in Augsburg wesentlich erleichtert ist, sehnte man sich doch, insbesondere von Seiten der altersschwachen Leute, denen die Eisenbahnfahrt zu beschwerlich ist, bald einen größeren, bequemere Sitzplätze bietenden gottesdienstlichen Raum zu erhalten. (…) So gehen denn allmonatlich die Vereinssammler seit sechs Jahren mit unermüdlichem Eifer von einer Familie zur anderen und tragen die kleinen und größeren Gaben zusammen. (…) Und dass der Herr die Treue, die an der Verherrlichung seines Namens arbeitet, reichlich segnet, das hat er uns erfahren lassen nicht nur, indem er uns einen Bauplatz kostenlos als Geschenk der Haunstetter Spinnerei und Weberei verschafft, sondern auch, indem er erst im vorletzten Jahr das Herz einer vermögenden Katholikin willig gemacht hat, unseren Kirchbauverein mit einer Gabe von 4000 Mark zu bedenken (…). Wir brauchen eine große Kirche mit 500 Sitzplätzen, denn wir müssen Rücksicht nehmen auf die zugegenwärtigende Zunahme der Protestanten in den industriereichen drei größere Fabriken aufweisenden Orten, die noch immer Arbeitskräfte von außen heranziehen. Eine Kirche mit 500 festen Sitzplätzen aber erfordert eine Bausumme von mindestens 60 000 Mark, auch wenn sie noch so einfach ausgeführt werden soll.“

Eine „schöne, praktische und zweckmäßige“ Kirche wünscht man sich, „würdig und einfach“ soll sie sein.

1905 gibt es eine Ausschreibung für die Baupläne auf Anregung des Bayerischen Architekten- und Ingenieur-Verein. Man wählt den Entwurf von Bauamtmann Schildhauer aus Kempten. Der Grundriss stellt ein Kreuz dar, ohne Anlehnung an einen bestimmten Baustil. Ein Teil der Kirche, durch eine Scheidewand von ihr getrennt, ist als Konfirmandensaal (heute würde man sagen „Gemeindesaal“) für Bibelstunden und Beichten vorgesehen. Sollte die Gemeinde wie erhofft wachsen, könnte man die Trennwand herausnehmen und den Kirchenraum ohne großes Aufheben vergrößern.

Auf Grundlage dieser Planung wird noch vier Jahre weiter Geld gesammelt. Darüber hinaus werden praktische Erwägungen zur Verwirklichung des Projektes angestellt, bis im Frühjahr 1909 mit dem Bau begonnen wird. Vor allem ortsansässige Handwerksmeister beteiligen sich am Bau.

Als die Kirche im Dezember 1909 fertig gestellt ist, zählt man 451 Sitzplätze, die Kosten belaufen sich auf 87 672 Mark.

Am 3. Advent, dem 12. Dezember 1909 wird die Kirche feierlich eingeweiht. Die beharrlichen Protestanten in Haunstetten und Meringerau haben ihr Ziel erreicht.

 

~ Aus den Festschriften zum 50 und 100jährigen Jubiläum ~